Einsätze und Möglichkeiten im Unterricht
Das digitale Lernmedium «stitch!» bietet Lehrpersonen vielfältige Möglichkeiten für einen kompetenzorientierten, differenzierenden und designorientierten Unterricht in den Fächern Textiles Gestalten und Technisches Gestalten. Die verschiedenen Elemente des Lernmedium «stitch!» – Verfahren, Wissen, Skills und Erfindungen – greifen dabei ineinander und fördern sowohl fachliche als auch überfachliche Kompetenzen.
Ein zentrales Element sind die «Verfahren» in Form von Videos. Hier erklären Lernende für Lernende, wie bestimmte Arbeitsschritte oder Maschinenbedienungen funktionieren. Die Videos können mit oder ohne Ton abgespielt werden. Über den Button „Schritt für Schritt starten” lassen sich die Verfahren in kurzen Videoloops ansehen. So können Schülerinnen und Schüler einzelne Teilschritte beliebig oft wiederholen, vertiefen und üben. Parallel dazu werden in einfacher Sprache fachlich korrekte Anweisungen eingeblendet. Lehrpersonen können diese Videos auf unterschiedliche Weise nutzen: als Ergänzung zum eigenen Modelling im Plenum, als Lernhilfe in offenen Werkstattphasen oder als Grundlage für kooperative Lernaufgaben. Durch Peer-to-Peer-Erklärungen in Kleingruppen wird das gemeinsame Durchdringen der Verfahren gefördert, das Selbstvertrauen gestärkt und eine aktive, kooperative Lernkultur aufgebaut. Durch Fragen vor, während und nach dem Anschauen – etwa zur Aktivierung von Vorwissen, zum Erkennen von Zusammenhängen oder zur Reflexion – wird die kognitive Aktivierung erhöht und ein tieferes Verständnis der Inhalte unterstützt.
Unter dem Element «Wissen» finden Lehrpersonen und Lernende fachliche Hintergründe und gestalterische Anregungen. Fachbegriffe zu «Material/Werkzeug» sind sowohl in den Lernaufgaben verlinkt als auch in einem Nachschlagewerk mit Suchfunktion verfügbar. So können unterschiedliche Lernvoraussetzungen in den Zyklen 2 und 3 gezielt berücksichtigt werden. Ergänzend dazu werden unter «Inspirationen» Designerinnen und Künstler mit ihren Projekten vorgestellt und mit den jeweiligen Erfindungen verknüpft. Kurzporträts und Links zu den Homepages der Künstlerinnen eröffnen Einblicke in die aktuelle Kunst- und Designwelt. Lehrpersonen können diese Inhalte nutzen, um Fragen zu Materialwahl, Verfahren, Konstruktionen und Inszenierung in Lernaufgaben einzubauen. Auf diese Weise erhalten die Lernenden Anregungen für ihr eigenes gestalterisches Denken, Planen und Handeln und erleben die Vielfalt möglicher Lösungen. Unter «Allgemein» werden verschiedene Lern- und Arbeitsmethoden erläutert. Diese Methoden stellen eine wertvolle Ressource dar, um den Unterricht abwechslungsreich und motivierend zu gestalten und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schülern einzugehen.
Die «Skills» dienen dazu, fachliche und gestalterische Kompetenzen systematisch aufzubauen. Einige Skills fokussieren sich auf «Kontext und Orientierung» sowie «Wahrnehmung und Kommunikation». Sie regen dazu an, genau hinzuschauen, zu vergleichen, zu beschreiben und zu reflektieren. Andere Skills unterstützen die «Handlungsfähigkeit» und fördern Kompetenzen in den Bereichen «Prozesse und Produkte». Hier erwerben die Lernenden Wissen über Materialien, Konstruktionen, Gestaltungselemente und Verfahren und setzen dieses praktisch um. Häufig werden kooperative Lernformen eingesetzt, sodass Austausch, Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung selbstverständlich werden. Dies stärkt die Teamfähigkeit, das Selbstwertgefühl und das Erleben von Selbstwirksamkeit. Die Ergebnisse werden dokumentiert und präsentiert. Selbst-, Peer- und Fremdbeurteilung entlang des gesamten Gestaltungs- bzw. Designprozesses helfen dabei, Lernfortschritte bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren.
Im Element «Erfindungen» werden diese Bausteine zusammengeführt. Jede Erfindung basiert auf einer Leitfrage zu einer alltagsnahen Problemstellung aus der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. Mithilfe von Kriterien wird das Problem verstanden und die Anforderungen an mögliche Lösungen werden geklärt. Die Lernenden entwickeln, erproben und realisieren eigene Lösungen, in denen verschiedene Aspekte miteinander verbunden werden. Lehrpersonen erhalten dazu eine gezielte Auswahl an Kompetenzaspekten und passenden Fähigkeiten, um Lernumgebungen differenziert zu planen und an die Voraussetzungen der Klasse oder einzelner Lernender anzupassen. So wird es möglich, kompetenzorientiert und differenzierend zu unterrichten sowie den gesamten Lernprozess – und nicht nur das Endprodukt – entlang des Designprozesses in den Blick zu nehmen, zu reflektieren und zu beurteilen.